{"id":395,"date":"2020-05-27T23:32:58","date_gmt":"2020-05-27T21:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.school-project-afghanistan.de\/?p=395"},"modified":"2020-05-27T23:33:04","modified_gmt":"2020-05-27T21:33:04","slug":"im-knast-der-taliban","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.school-project-afghanistan.de\/?p=395","title":{"rendered":"Im Knast der Taliban"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mit freundlicher Genehmigung des Autors werden von nun an regelm\u00e4\u00dfig die Eintr\u00e4ge des &#8222;Afghanistan-Tagebuch&#8220; vom Journalisten Dieter Herrmann hier ver\u00f6ffentlicht.  Seine weiteren Beitr\u00e4ge k\u00f6nnen auf der Webseite eingesehen werden: http:\/\/www.australia-news.de\/blog\/#topOfPage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Manuskript beginnt im Februar 1973, kurz bevor der K\u00f6nig von Afghanistan gest\u00fcrzt wird. In rund 60 Kapiteln schildere meine Erlebnisse in dem Land am Hindukusch von 1973 und dem Sturz des K\u00f6nigs, \u00fcber die Zeit unter dem Taliban-Regime bis in die Zeit der westlichen Milit\u00e4reins\u00e4tze und der versuchten Demokratisierung. \u00a0Neben vielen anderen Erfahrungen wurde ich in dieser Zeit zweimal verhaftet und ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, musste zeitweilig im Bunker der t\u00fcrkischen Botschaft leben und hatte ein erstaunliches Interview mit Mullah Muttawakil, dem pers\u00f6nlichen Sprecher von Taliban-F\u00fchrer Mullah Omar und sp\u00e4teren Taliban-Au\u00dfenminister.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich schildere meine pers\u00f6nlichen Gef\u00fchle und Zweifel ebenso wie politische und menschliche Geschehnisse, Bewegungen in der Bev\u00f6lkerung und Entwicklungen im Land.<\/em> Nichts an diesem Manuskript ist erfunden oder hinzugedichtet \u2013 einiges allerdings habe ich, um niemanden zu gef\u00e4hrden, weggelassen. Einige Namen habe ich sicherheitshalber ver\u00e4ndert. Ob das letzte Kapitel jemals fertig werden wird, ist fraglich. Eigentlich sollte ich im Jahr 2019 wieder in Kabul unterrichten, doch die Sicherheitslage ist derma\u00dfen schlecht, dass meine Auftraggeber mich voraussichtlich nicht ins Land holen werden. \u201eDeutscher Medientrainer von Taliban ermordet\u201c w\u00e4re f\u00fcr alle Beteiligten eine katastrophale Schlagzeile &#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.school-project-afghanistan.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Unbenannt.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-396\" width=\"582\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.school-project-afghanistan.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Unbenannt.png 477w, https:\/\/www.school-project-afghanistan.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Unbenannt-300x199.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Prolog: <\/strong>Kann man ein Land wie Afghanistan eigentlich lieben? Oder lieben lernen? Ein Land mit so viel Drama, Blut, Trauer und unz\u00e4hligen politischen Fehlentscheidungen bei allen Beteiligten? Ich wei\u00df nicht, ob man das kann. <strong>Ich kann es<\/strong>.<strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oft fiel es mir schwer, diese Liebe zum Land und zu den Menschen zu gestehen. Vor allem mir selbst gegen\u00fcber. Immerhin haben afghanische Beh\u00f6rden unterschiedlicher Couleur es zweimal geschafft, mich unter fadenscheinigen Vorw\u00e4nden ins Gef\u00e4ngnis zu werfen. Das zweite Mal sprichw\u00f6rtlich bei Wasser und Brot.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig denke ich an Freunde in Afghanistan, Wahab, der noch immer mein volles Vertrauen genie\u00dft, Moheb, der in Wirklichkeit anders hei\u00dft und der immer und ohne zu fragen eine gro\u00dfe Hilfe war \u2013 vor allem in Kabul und in Fayzabad, Mustafa, den Dolmetscher, der durch meine T\u00e4tigkeit und meinen Leichtsinn zweimal ins Gef\u00e4ngnis kam, Tarik, der in der DDR studiert hat und seit vielen Jahren in seiner afghanischen Heimat leise und ergeben leidet und viele andere, von denen etliche es f\u00fcr zu riskant halten, hier genannt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Text ist so etwas wie ein Tagebuch \u2013 obwohl ich meine Eindr\u00fccke und Erlebnisse nicht immer schriftlich festgehalten habe. Um diese Berichte zu schreiben, habe ich tief in Aufzeichnungen und Erinnerungen gew\u00fchlt und immer wieder die Hilfe von Menschen in Anspruch genommen, mit denen ich in Afghanistan zusammen war oder denen ich \u201ebr\u00fchwarm\u201c berichtet habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts habe ich erfunden, hinzugedichtet oder \u201everst\u00e4rkt\u201c. Vieles, sehr vieles aber habe ich weggelassen. Manchmal ist mir das Weglassen ausgesprochen schwergefallen, war aber zum Schutz von Freunden, Bekannten, Weggef\u00e4hrten und vor Feinden nicht zu umgehen. Fast alles in Afghanistan kann bedrohlich sein \u2013 vor allem f\u00fcr jene, die anderer Meinung oder zu ehrlich sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit freundlicher Genehmigung des Autors werden von nun an regelm\u00e4\u00dfig die Eintr\u00e4ge des &#8222;Afghanistan-Tagebuch&#8220; vom Journalisten Dieter Herrmann hier ver\u00f6ffentlicht. 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